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1937 - 2017 "80jährige Anerkennung der Chiropraktik in Luzern"

Am 25. Februar 1937 wurde die gesetzliche Anerkennung der Chiropraktik in Luzern vollzogen.

 

Die Behandlung der Leiden der Wirbelsäule mit Handgriffen war zwar schon in Ägypten, dem alten China und in Indien bekannt. Der Name Chiropraktik stammt jedoch aus dem Griechischen und ist zusammengesetzt aus den Wörtern «Hand» und «Tätigkeit». Die Geschichte des Luzerner Vereins Pro Chiropraktik ist ohne Zweifel eng mit der Entwicklung der Heilmethode Chiropraktik in der Schweiz verbunden.

 

Nachdem um 1920 Frau Hermine Fagan, eine Amerikanerin mit Schweizer Abstammung, als Erste die Chiropraktik in die Schweiz nach Interlaken brachte, eröffnete bereits 1927 Simon Müller als dritter Chiropraktor in der Schweiz in Luzern seine Praxis. Es zog ihn aber bereits kurze Zeit später nach Zürich. Im August 1928 eröffnete dann sein Bruder Dr. Josef Theodor Müller (1894 -1989), seinerseits am Hirschengraben 41a in Luzern eine Praxis.

Da aber die Behörden ihn schon bald wegen illegalem Praktizieren verfolgten, gründete er im Juni 1930 den «Verein zur gesetzlichen Anerkennung der Chiropractic». Das war die Geburtsstunde unseres Vereins und damit der ersten Interessengruppe in der Schweiz, welche sich für die Belange der Chiropraktik einsetzte.

 

Erstes Ziel des Vereins war eine vielfältige Aufklärungsarbeit bei der Bevölkerung, stiessen doch medizinische Neuerungen von jeher auf Misstrauen. Dr. Theo Müller und die ersten Mitglieder des Vereins scheuten keine Mühe und auch keine finanziellen Opfer für die Verbreitung der Kenntnis der Heilmethode Chiropraktik. Obwohl das Luzerner Obergericht und auch das Bundesgericht ein Berufsverbot gegen Dr. Theo Müller aussprachen, kamen Patienten aus dem ganzen Kanton Luzern und der ganzen Zentralschweiz zu ihm in die Behandlung. Zu Zeiten, als seine Praxis versiegelt wurde, hielt er seine Konsultationen im Büro und im Korridor ab, weil er es nicht übers Herz brachte, Leute abzuweisen, die den einzigen Weg zur Wiedererlangung ihrer Gesundheit in seiner Behandlungsmethode sahen.

 

Dem unerschrockenen jungen Chiropraktor blieb nichts anderes übrig, als seine Tätigkeit gegen das behördliche Verbot weiter auszuüben.

Beim Kampf um die gesetzliche Anerkennung der Chiropraktik entstand durch die ständige Gesetzesübertretung eine Situation, bei der sich weder die Behörden, noch das Volk sowie der Chiropraktor wohl fühlten. Alle waren sich bewusst, dass man eine Lösung finden musste. Im Jahre 1931 wurde eine Petition mit 5000 Unterschriften an den Luzerner Grossen Rat eingereicht, und im gleichen Jahr erschien zum ersten Mal die von Theo Müller ins Leben gerufene monatliche Zeitschrift «Chiropractic». Aufklärungsschriften, welche direkt in die Haushalte vertragen wurden, erreichten Auflagen von 40'000 – 50'000 Stück.

 

Im Herbst 1933 trat dann eine entscheidende Wende für das Schicksal der Chiropraktik im Kanton Luzern ein. Der damalige Laienverein gründete ein Aktionskomitee. An dessen erster Sitzung am 11. Dezember 1933 wurde man sich darüber einig, dass «recht bald mit den Behörden auf loyale Weise Fühlung aufgenommen werden müsse, um mit den scharfen Auseinandersetzungen aufzuhören».
Im Februar 1934 wandte sich das Aktionskomitee mit der Manifestation «Aufruf an das Luzerner Volk» an die Öffentlichkeit. Selbst die Bewohner der entlegensten Dörfer kamen durch Postzustellung in dessen Besitz. Diesem Aufruf war eine perforierte Protest-Resolution beigelegt, mit welcher der «Verein zur gesetzlichen Anerkennung der Chiropractic in der Schweiz, Sektion Luzern, Hirschengraben 41 a» um die Unterschrift der Leserschaft bat.

Das ganze Unterfangen wurde mehrheitlich von Dr. Theo Müller finanziert. Am 10. März 1934 wurde bei der Staatskanzlei das «Initiativbegehren für die Zulassung der chiropraktischen Heilmethode im Kanton Luzern» zur Anmeldung gebracht.

Nach einer erneuten Verurteilung und späteren Begnadigung von Dr. Theo Müller sowie nach langen Debatten und trotz Opposition der damaligen Schulmedizin beschloss das Luzerner Parlament am 25. Februar 1937 als erste Kantonslegislative in der Schweiz, die Chiropraktoren zur Krankenbehandlung zuzulassen. Somit hatte unser Verein, sieben Jahre nach seiner Gründung, ein erstes grosses Ziel erreicht.